Bewusstseins-Medizin

Streit erhöht Entzündungsfaktoren im Blut und lässt Wunden langsamer heilen. Niedergeschlagenheit führt zu Rückenschmerzen und häufigeren Knochen-Brüchen. Stress verschlimmert Hautleiden und macht das Blut zähflüssiger. – Mehr und mehr Neurobiologen, Genforscher und Internisten verfolgen die Spur dieser Zusammenhänge. Und finden Beweis um Beweis dafür, was uns der gesunde Menschenverstand schon immer ahnen ließ …

Aktuelle Studien werfen für die moderne Medizin wegweisende Fragen auf: Wie kann es etwa sein, dass nur 2 von 100 Rauchern Lungenkrebs bekommen, während 64 von 100 Menschen, die in der zweiten Lebenshälfte ihren langjährigen Partner verlieren, ein Jahr später an Krebs erkranken?

Wer sich solchen Fragen ernsthaft stellt, kommt nicht mehr umhin, die enge Verbindung zwischen Bewusstsein, Gefühlen, unbewussten Überzeugungen und unserem Körper anzuerkennen. Immer mehr wissenschaftliche Studien entdecken beispielsweise, was Wut und Hass oder Glück und Freude in unserem Körper auszulösen vermögen.

Und das ist auch notwendig im Sinne des Wortes. Denn schon jetzt leidet fast die Hälfte aller Patienten, die eine Arztpraxis aufsuchen, an Symptomen wie Kopfschmerzen, Herzrasen, Rückenproblemen, Verdauungsstörungen und anderen Beschwerden, für die sich keine organischen Ursachen finden lassen.

Gesundheits-Feind Nr. 1: Stress

Fortdauernder Stress, der unsere Gesundheit schleichend untergräbt und aushöhlt, ist keineswegs auf Gefühle der Überlastung und des Zeitdrucks beschränkt. Stress in seiner ganzen gesundheitlichen Tragweite ist vielmehr ein unbewusstes Verhaltensmuster, das unseren Körper in eine permanente, innere Alarmbereitschaft versetzt.

Auslöser können natürlich (und im täglichen Leben sehr oft) Ärger im Beruf oder Zwist in der Familie sein. Aber auch ungelöste (unbewusste) Konflikte, belastende Gedanken, bedrückende Gefühle, Sorgen oder Ängste können Stress in uns hervorrufen. Mit allen körperlichen Folgen. Neuere Untersuchungen haben zum Beispiel bestätigt, dass Stress Hautleiden und Herpes verschlimmert oder das Blut dicker macht. Zehn Minuten nach dem ersten Stressgefühl sind bereits Entzündungszellen im Blut aktiviert.

Auch Konflikte hinterlassen Stress-Spuren in unserem Körper: sie schwächen die Immunreaktionen und verlangsamen die Wundheilung. Streitigkeiten mit dem Partner erhöhen die Gerinnungsneigung des Blutes und heben damit die Gefahr eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls. Versöhnung bewirkt übrigens genau das Gegenteil…

Unsere Gesundheit hängt von unseren Gefühlen ab

Gefühle beeinflussen den Körper, unsere Stimmungen schlagen sich in den Organen nieder. Und zwar nicht irgendwann später, sondern sofort. Nicht irgendwie, sondern ganz konkret. Nervenbahnen, Schmerzschwellen, Stressmoleküle, Hormone, Immunfaktoren und Rezeptoren verändern sich abhängig davon, wie es uns geht.

So schwächen zum Beispiel depressive Verstimmungen das Herz und gelten daher als großer Risikofaktor für Herzinfarkt und Bluthochdruck. Sie beeinträchtigen den Mineralgehalt des Skeletts und führen einer Studie zufolge zu 40 % mehr Knochenbrüchen.

Verschiedene Gefühle können dabei unterschiedliche Symptome hervorrufen: Ängste provozieren eher Herz-Rhythmus-Störungen, Ärger und Frustration Arteriosklerose, Niedergeschlagenheit Gefäßverkalkung.

Umgekehrt beschleunigen Freude, Zuversicht, Gelassenheit, Begeisterung und Liebe die Heilung und lindern Schmerzen. Erfahren Hypertonie-Patienten liebevolle Zuwendung, vermindert sich ihr Blutdruck. Fühlen sich Männer von ihren Frauen geliebt, bekommen sie nur halb so viele Infarkte und weniger Zwölffingerdarm-Geschwüre als ihre ungeliebten Geschlechtsgenossen. Frauen geht es genauso: wissen sie sich umsorgt, erkranken sie seltener an grippalen Infekten, Blasenentzündungen oder Magenverstimmungen. In harmonischen Beziehungen bleiben beide Partner gesünder. Bei Verlust des Partners durch Scheidung oder Tod steigt hingegen die Rate an Herzleiden, Diabetes und Krebs.

Sogar jene, die ihre Liebesfähigkeit und -bereitschaft in der Fürsorge um ein Haustier oder eine Zimmerpflanze leben, erleiden seltener einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Vorstellungen und Erwartungen formen unsere Realität

Unsere (unbewussten) Vorstellungen und inneren Bilder bilden eine Brücke, die dorthin führt, wo Gedanken in körperliche Signale umgesetzt werden. Deutlich wird dieser Mechanismus am bekannten Placebo-Effekt: nicht die Wirkstoffe in einem Medikament verändern unsere Biochemie – die sind in Placebos nämlich gar nicht enthalten –, sondern unsere Erwartungshaltung.

Placebo-Forscher wissen seit Längerem: Je dicker die Nadel, desto wirksamer die Injektion. Je bunter, größer und teurer die Tabletten, desto effektiver. Unsere Imaginationskraft ist der Schlüssel für den Heilungsprozess.

Fazit: bewusst gesund werden und bleiben

Wer will es noch bestreiten: die Denkprogramme in unserem Kopf, unser Welt- und Selbstbild, unsere Überzeugungen und Glaubenssätze hängen auf das Engste mit unserem Gesundheitszustand und unserem Schicksal (im Sinne dessen, was wir im Leben erfahren) zusammen.

Unser Organismus wiederum reagiert auf das, was wir erleben und vor allem, wie wir es erleben. Doch selbst nach Zeiten anhaltender Niedergeschlagenheit und Frustration kann er sich wieder neu anpassen, vergessen und (Stress-) Spuren tilgen. Ist er wieder empfänglich für Hochgefühle und Lebensfreude.

Die Medizin müsste ihre Patienten bei dieser Neuausrichtung unterstützen. Sie müsste helfen, die Ressourcen der Kranken zu stärken. Denn ändert sich unser Denken und Fühlen, weckt das die Selbstheilungskräfte, stabilisiert die Gesundheit und beugt Erkrankungen vor. Der Arzt wäre dann ein begleitender Partner, der seine Patienten dabei fördert, ihre Probleme eigenständig zu meistern.

siehe auch » Die 4 Säulen der Gesundheit

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