Was ist Neuraltherapie?

Anders als uns die Schulmedizin weismachen will, ist unser Körper keine Ansammlung voneinander unabhängig zu betrachtender Organe und Strukturen. Vielmehr sind Organe, Nerven, Muskeln, Knochen, Blut- und Lymphsystem, Bindegewebe, Haut und andere Körpersysteme und deren Funktionen auf intelligente Weise miteinander vernetzt und fein aufeinander abgestimmt …

Arbeiten all diese so genannten Regulationsmechanismen reibungslos zusammen, kann unser Körper auf wechselnde äußeren Einflüsse (vom Schwitzen bei körperlicher Belastung über Wetter-Umschwünge bis zu „Viren-Attacken“) in kürzester Zeit und mit geringstem Energieverlust reagieren und diese ausgleichen (Selbstregulation). Andernfalls, bei gestörter Koordination, laufen die physiologischen Prozesse nicht mehr im Gleichklang. Schmerzen, Entzündungen oder andere Beschwerden können entstehen – oft weit vom ursprünglichen Ort der Störung entfernt.

Neuraltherapie: die natürliche Ordnung wiederherstellen

Die Neuraltherapie injiziert oder infiltriert an bestimmten Stellen des Körpers ein örtlich wirksames Betäubungsmittel (Lokalanästhetika). Dabei geht es jedoch nicht (nur) darum, Schmerzen vorübergehend auszuschalten. Durch das zeitweilige Inaktivieren der Störquelle können sich vielmehr entgleiste Regulationssysteme wieder normalisieren und ins Gleichgewicht zurückfinden. Als Methode der Regulationstherapie hat die Neuraltherapie also das Ziel, neurale, muskuläre, hormonelle, lymphatische und zirkulatorische Regelkreise im Organismus wieder in eine physiologische Ordnung zu führen und deren harmonisches Zusammenspiel wiederherzustellen.

Die verwendeten Nadeln sind dabei so fein, dass sie kaum zu spüren sind. Sie werden entweder in oder knapp unter die Haut (so genanntes „Quaddeln“) oder tief in die Muskulatur injiziert. Entscheidend für den Erfolg der Behandlung ist vor allem, wo gestochen wird …

Bei akuten Schmerzen wird die Injektionsnadel meist direkt in die schmerzende Körperregion gesetzt (Lokal-Therapie). Ist diese Stelle nicht zugänglich (z. B. bei inneren Organen), werden damit in Verbindung stehende Körpersegmente genadelt: Reflexzonen, Akupunkturpunkte, Head’sche Zonen oder Triggerpunkte (Segment-Therapie).

Störfeld-Therapie

Die höchste Priorität der Neuraltherapie liegt jedoch in der Behandlung von Störfeldern. Störfelder sind chronisch belastende Faktoren, die sich selbst klinisch unauffällig verhalten (keinerlei Schmerzen oder sonstige Beschwerden), aber in ganz anderen Körperregionen Fernstörungen verursachen. So könnte z. B. eine verborgene Entzündung im Kiefer zu Herzproblemen führen.

80 – 90 % aller Störfelder befinden sich im Kopfbereich (Zähne, Kiefer, Ohren, Nasennebenhöhlen, Augen, Mandeln, …). Neben unauffälligen chronischen Entzündungen kommen vor allem auch Narben (Bindegewebs- und Knochen-Narben) als Störquelle in Frage.

Der Entdecker der Neuraltherapie, Ferdinand Huneke, hat dazu drei Lehrsätze aufgestellt:

  • jede chronische Krankheit kann durch ein Störfeld bedingt sein
  • jede Stelle im Körper kann zu einem Störfeld werden
  • jede Injektion eines Lokalanästhetikums in das Störfeld heilt die störfeldbedingte Krankheit

Den Bereich im Körper, der zu einem Störfeld geworden ist, empfinden wir demnach nicht als krank. Er macht uns aber generell krankheitsanfälliger, weil er unsere Regulationsmechanismen ständig irritiert und unsere natürlichen Abwehrkräfte derart schwächt, dass bereits eine kleine Zusatzbelastung zu Funktionsstörungen oder Schmerzen führt, die in keinem Verhältnis zum direkten Auslöser mehr stehen. So wird auch verständlich, wie sich auf Basis unerkannter Störfelder chronische Erkrankungen entwickeln können.

Störfeld-Therapie: ein Beispiel

Viele kennen das, wenn chronische Gelenksschmerzen bei einem bevorstehenden Wetterwechsel stärker werden. Dabei sind die Gelenke im Röntgen oft unauffällig und gegenüber herkömmlichen Behandlungsversuchen resistent (physikalische Therapien, Salben, …). Umso verblüffter sind die Betroffenen, wenn dann etwa langwierige Knieschmerzen durch eine neuraltherapeutische Behandlung der Blinddarm-Narbe plötzlich verschwinden.

Was ist geschehen? Das Störfeld ‚Blinddarm-Narbe‘ wirkt in solchen Fällen als energetischer Unruhe-Herd, dessen Reiz-Impulse aber knapp unterhalb jener Schwelle bleiben, ab der unser Organismus zur Gegenregulation ansetzt (spürbar z. B. in Form von Schmerz). Die Narbe ist in unserer Wahrnehmung beschwerdefrei. Dennoch befindet sich unser Regulationssystem in einer Art Alarmzustand.

Kommt nun ein zweiter, an sich vernachlässigbarer Reiz dazu (in unserem Beispiel der Wetter-Umschwung), bringt dies das Fass zum Überlaufen: der Körper reagiert mit einer Gegenregulation, was wir im Sinne einer Fernstörung als Knieschmerz zu spüren bekommen. Die Neuraltherapie schaltet nun das Narben-Störfeld aus, wodurch der Alarmzustand aufgehoben wird und der Wetterwechsel keine Probleme mehr auslöst.

Wirkung, Anwendung und Grenzen der Neuraltherapie

Die große Stärke der Neuraltherapie liegt darin, dass sie das Energie-System chronisch kranker Patienten entlastet, indem sie Störfelder eliminiert. Dadurch kann eine überschießende (z. B. bei Allergien), träge oder starre Regulation wieder in einen Gleichgewichts-Zustand gebracht werden.

Die Wirkung hält auch dann noch an, wenn das verwendete Lokalanästhetikum vom Körper längst abgebaut wurde. Schließlich geht es in der Neuraltherapie ja nicht um einen pharmakologischen Effekt, sondern um das Neuordnen biokybernetischer Regelkreise. Auf diese Weise reicht manchmal schon eine einzige Behandlung, um dauerhaft beschwerdefrei zu werden („Sekunden-Phänomen“ nach Huneke). In der Regel sind aber mehrere Therapien für einen anhaltenden Erfolg nötig.

Die Neuraltherapie wird dort eingesetzt, wo Selbstregulation noch möglich ist. Wenn also beispielsweise die Organe selbst intakt sind, deren Regulation (bzw. Funktion) aber gestört wurde. Bei irreparablen Organ-Erkrankungen oder -Schäden kann sie zwar keine Heilung bewirken, aber immerhin zur Linderung oder Verbesserung der Beweglichkeit beitragen.

Häufige Anwendungsgebiete der Neuraltherapie:

  • Schmerzen (Migräne, Spannungs-Kopfschmerzen, Ischialgien, Tennisarm, Gelenksschmerzen, …)
  • entzündliche Erkrankungen (Augen, Nase, Nasennebenhöhlen, Ohren, Zähne, Kiefer, Gelenke, Harnwege, Geschlechtsorgane, …)
  • funktionelle Störungen des Herzens (z. B. Herzrasen, Rhythmusstörungen), der Atmung (z. B. Reizhusten), Schilddrüsen, Geschlechtsorgane, Durchblutung oder des Schlafens
  • gestörte Wundheilung (schlecht heilende Narben)
  • Magen- und Darm-Beschwerden (Gastritis, Störungen der Verdauung, Bauchspeicheldrüse, Leber, Galle, …)
  • Unterstützung / Linderung bei klimakterischen Beschwerden, Arthrosen, Tinnitus

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