Was versteht man unter Lactose-Intoleranz?

Durchfall, Verstopfung, Blähungen, Übelkeit nach dem Essen, Blähbauch, chronische Müdigkeit, depressive Verstimmungen, innere Unruhe, Schweißausbrüche, Schwindelgefühle, Kopf- und Gliederschmerzen, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, unreine Haut,  … Hinter all diesen Beschwerden steckt häufig die Diagnose „Lactose-Intoleranz“.

Lactose leitet sich vom lateinischen lactis für Milch und -ose für Zucker ab. Lactose ist also ein in Milch und Milchprodukten enthaltener Zucker, der – je nach Konzentration – die 25-60 %-ige Süßkraft von Haushaltszucker (Saccharose) hat. Intoleranz meint ganz einfach, dass unser Körper etwas nicht verdauen und verwerten kann (im Unterschied zu einer Allergie, die eine Immunreaktion auslöst).

Dass ein Mensch Milchzucker nicht verträgt, ist weiter verbreitet als wir vielleicht denken. Rund drei Viertel der erwachsenen Weltbevölkerung ist lactose-intolerant. Während im fernen Osten nahezu jeder davon betroffen ist (z. B. 94 % der Chinesen), plagt sich in Deutschland schätzungsweise jeder vierte bis sechste Bundesbürger mit den eingangs beschriebenen Folgen von Milchzucker-Konsum.

Wie entsteht eine Lactose-Intoleranz?

Damit Milchzucker verstoffwechselt werden kann, muss er im Dünndarm von einem Enzym namens Laktase in seine beiden Bestandteile Glucose und Galactose zerlegt werden (deshalb bezeichnet man Lactose auch als Zweifachzucker). Dieses Enzym wird von Babys während der Stillzeit gebildet, um die Muttermilch zu verwerten. Danach sinkt seine Aktivität auf etwa 5-10 % seines ursprünglichen Niveaus ab. Nur bei Völkern, die seit Urzeiten Milchwirtschaft betreiben, hat sich eine Mutation entwickelt, die auch im Erwachsenenalter noch genügend Laktase produziert (Laktase-Persistenz).

Mit anderen Worten: in der Regel ist unser Organismus nach dem Säugealter nicht mehr auf den Verzehr von Milch und Milchprodukten eingerichtet. Ohne seine Aufspaltung durch das Laktase-Enzym gelangt Lactose unverändert in den Dickdarm, wo es von den Bakterien der Darmflora vergoren wird. Milchsäure (Lactat) und Gase wie Methan oder Wasserstoff entstehen, was zu Durchfall und Blähungen führen kann. Die Abbau-Produkte der Darmbakterien können aber auch viele andere Symptome auslösen, wie sie zu Beginn aufgezählt wurden. (Ähnliche Beschwerden können übrigens auch durch Fruchtzucker bzw. Fructose entstehen.)

Neben der natürlichen, mit dem Alter wachsenden Form der Milchzucker-Unverträglichkeit, können auch ein angeborener, genetisch bedingter Laktase-Mangel (mit Durchfallerscheinungen bereits in den ersten Tagen nach der Geburt) oder Erkrankungen des Verdauungssystems (Magen-Darm-Entzündungen, chronische Darmerkrankungen, Lymphome, Parasiten, Zöliakie) verantwortlich für eine Lactose-Intoleranz sein. In letzterem Fall kann der Enzym-Mangel wieder verschwinden, sobald die zugrunde liegende Krankheit geheilt ist.

Warum unsere „moderne“ Ernährung Lactose-Intoleranzen anheizt

Die Lactose-Unverträglichkeit ist vermutlich eine der häufigsten Ursachen für Verdauungsprobleme. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass wir jährlich über 130 kg (!) Milch, Sauermilch, Milchmischgetränke, Joghurt, Butter, Sahne und Käse verzehren. Noch nie wurden in Deutschland so viele Milchprodukte konsumiert.

Dazu kommt unsere stark zunehmende Neigung zur schnellen Küche. Denn industriell hergestellten Fertiggerichten wird oft Lactose zugesetzt, um ihnen eine cremigere Konsistenz zu verleihen und ein angenehmeres Mundgefühl hervorzurufen. Die neue Gilde der „Food-Designer“ ist sehr kreativ, wenn es darum geht, den Absatz von Junkfood zu fördern.

Selbst dort, wo wir keinen Milchanteil vermuten würden und ohne, dass dies auf der Verpackung deklariert wäre, ist Milchzucker enthalten: Wurstwaren, mariniertes Fleisch, Teige, Würzmischungen, Getreideriegel, Brote, und vieles mehr. Wenn man sich jetzt noch klarmacht, dass Anzahl und Stärke der Symptome in einem direkten Verhältnis zur Menge der eingenommenen Lactose stehen …

Diagnose und Behandlung der Lactose-Intoleranz

Unser Lactose-Toleranz-Test ist der schnellste und einfachste Weg zu einer sicheren Diagnose. Bestätigt er eine vermutete Milchzucker-Unverträglichkeit, so besteht der erste Schritt in einer (zumindest) vorübergehenden Eliminations-Diät. Milch, Milchprodukte und Fertiggerichte sind in dieser Phase tabu.

Von Lactose-Medikamenten (Enzym-Präparate) halten wir in unserer Praxis großen Abstand. Ihre Nachteile überwiegen mögliche Vorteile bei weitem. Dasselbe gilt auch für Soja-Produkte – es gibt keinerlei Notwendigkeit, auf diese auszuweichen. Mit einer vollwertigen Kost decken Sie Ihren täglichen Eiweiß-Bedarf problemlos durch Gemüse und tierisches Eiweiß. Auf Wunsch erstellen wir für Sie mit dem gesund & aktiv-Stoffwechselprogramm einen individuellen, schmackhaften und überaus reichhaltigen Ernährungsplan, der Sie Milchprodukte leicht vergessen lässt.

Abgesehen von der genetisch bedingten Lactose-Intoleranz, die einer lebenslangen Weglass-Diät bedarf, können Sie nach der erste Phase der Lactose-Karenz wieder Milch und Milchprodukte in geringer Menge zu sich nehmen. Aber: die mit dem Alter abnehmende Verträglichkeit von Lactose ist ein natürlicher Prozess und keine Krankheit. Demnach ist die Lactose-Intoleranz auch nicht heilbar. Es liegt an uns, unsere Gewohnheiten in Richtung gesunder, aufbauender und energie-spendender Ernährung zu ändern.

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